Peter Kees I Concept Art

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11.3.2017  / Jahresausstellung Kunstverein Ebersberg

Eingriff in die Freiheit der Kunst

ZENSUR: Amtsgerichtsdirektor lässt Teil eines Kunstwerkes entfernen


Zur diesjährigen Jahresausstellung des Ebersberger Kunstvereins bin ich als Juror geladen. Verbunden mit der Tätigkeit ist eine Jurorenausstellung im Ebersberger Grundbuchamt. Dort zeige ich u.a. meine Installation „KUNSTSCHIESSPLATZ schieschmich!!!“.

Noch vor Ausstellungseröffnung ließ der Direktor des Amtsgerichts Ebersberg Christian Berg ein Objekt aus dieser Installation entfernen.

Bei der Installation „KUNSTSCHIESSPLATZ schieschmich!!!“ setzte ich mich mit Immanuel Kants Würdebegriff auseinander: „Die Pflicht gegen sich selbst besteht darin, dass der Mensch die Würde der Menschheit in seiner eigenen Person bewahre.“ Das Publikum hat in dieser interaktiven Installation die Möglichkeit, auf ein Polaroid des eigenen Konterfeis zu schießen*.

Amtsgerichtsdirektor Berg hat am Freitag, 10.März, kurz vor Dienstschluss das mit einem „F-im-Fünfeck“-Stempel gekennzeichnete, und damit freie Luftgewehr aus der Ausstellung entfernen lassen.

Den Eingriff des Amtsgerichtsdirektors empfinde ich als groben Eingriff in die Freiheit der Kunst.

Von staatlicher Seite ausgeführte Zensur darf grundsätzlich kein Mittel werden, künstlerische Auseinandersetzungen einzuschränken. Die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht.

Die Installation „KUNSTSCHIESSPLATZ schieschmich!!!“ wurde bereits mehrfach anderenorts gezeigt, ohne dass dabei derartige Probleme auftraten. (Die Luftgewehrkugeln waren zudem bei der Aufsicht verwahrt und wären nur für jeweils einen Schuss unter Aufsicht herausgegeben worden.) Selbst das ungeladene Luftgewehr aber darf nicht in der Ausstellung bleiben.

Ein Gespräch zwischen Amtsgerichtsdirektor Christian Berg und mir fand nicht statt.

gez. Peter Kees










Die Installation „Kunstschießplatz schiessmich!!!“ ist eine Beschäftigung mit Immanuel Kants Würdebegriff: Sie haben hier die Möglichkeit, auf Ihr eigenes Konterfei zu schießen. Beim Schiessen beispielsweise in Computerspielen tötet man den „Gegner“ eher mit Lust. Ein Feindbild und Unterscheidungskategorien zwischen Gut und Böse verdrängt psychische Barrieren und lässt Töten und Erschießen nachvollziehbar erscheinen. Der Kunstschießplatz will Gefühle provozieren: kann man auf sich oder andere schießen? Im Moment mit der Waffe in der Hand auf sein eigenes Bild zu schießen, wechselt die Reflexionsebene. Normalerweise reflektiert man gar nicht, denn man unterscheidet zwischen Gut und Böse: jetzt schieße ich wirklich auf einen Menschen, nämlich auf mich selbst. Der Kunstschießplatz darf durchaus als Versuchsanordnung gesehen werden: Wie ist das, wenn ich auf mein Bild schieße?